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Für Generationen wird Kaiserin Elisabeth von der süßen Romy Schneider verkörpert. Nur: So lieb war „Sisi“ keineswegs, wie Jeannine Meighörner in ihrem jüngsten Roman feststellt. Und das ist penibel recherchiert. Kein Wunder, war Meighörner früher doch Hörfunkjournalistin.
Uwe Schwinghammer20er. Die Tiroler Straßenzeitung

Gut recherchiert und authentisch erzählt.

Regine Hart zu „Das fliehend Herz. Sisis Schicksalstage in Tirol“ekz-Informationsfilm

Besonders gelungen ist Meighörners Erzählstil, der Verständlichkeit und die Atmosphäre der Zeit gut unter einen Hut bringt und einen großen Anteil an der Qualität ihrer Romane ausmacht.

Alfred Ohswaldwww.buchkritik.at

Nicht nur Hofzwerg Thomeles „Trick mit den Nasenlöchern“ in Meighörners Roman die „Wolkenbraut“ zeigt ihr Talent zum Erzählen.

Tiroler Tageszeitung

Selten hat mich ein Frauenschicksal so berührt, wie das Leben der Anna Hofer in „Starkmut“.

Helga ReichartDolomiten

Speranza balanciert zwischen dem ultimativen Grauen einer totbringenden Katastrophe, dem trotzigen Liebesringen eines jungen Paares und den Sehnsüchten und Verlockungen des Wirtschaftswunders in Deutschland und Italien. Das ist große Erzählkunst.

Neue Südtiroler Tageszeitung

Jeannine Meighörners Romanbiographie über Sophie von La Roche ist ein schlaues Buch aus einem Guss, das auf Fussnoten verzichtet und auch deshalb sehr dicht und spannend erzählt ist.

Südkurier

Tiroler-Tageszeitung – 12. Juni 2019

Presseartikel zur Buchpremiere „Die Luftvergolderin“

Eine goldene Heiratsgeschichte und ein Schwazer Maler

Innsbruck – Die Wahl-Innsbruckerin Jeannine Meighörner hat schon einen historischen Roman über Kaiserin Elisabeth in Tirol geschrieben und auch einen über Philippine Welser, die auf Schloss Ambras wirkte und deren verwandtschaftliche Bande zum Maximilian-Gedenkjahr und zu Anna von Böhmen und Ungarn führen. Anna ist die Protagonistin von Meighörners neuem Buch „Die Luftvergolderin„. Kaiser Maximilian heiratete Anna von Ungarn 1515 stellvertretend für seinen Enkel Ferdinand I., den späteren Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Anna lebte in der Innsbrucker Hofburg, sie war es, die Böhmen, Ungarn und Kroatien ins Habsburger Reich brachte. Aus der späteren Ehe mit Ferdinand gehen 15 Kinder hervor.

Ausgangspunkt dieser besonderen Heiratsgeschichte ist ein kleines Ölbild, das Hans Maler zu Schwaz 1521 anfertigte und das Anna als kluge Frau und Braut zeigt. Heute hängt das Bild im Landesmuseum Ferdinandeum. Was hier nach einem Faktencheck klingt, verwandelt Meighörner in einen hinreißenden, luftig geschriebenen historischen Roman. Nur zu gerne folgt man ihren 500 Jahre alten Pfaden, wer will, bis in die Gegenwart. Denn da gibt es noch eine andere wahre Geschichte zu dem Bild, sie beginnt 1937 in Wien.

(Sabine Strobl)

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Die Rheinpfalz – Januar 2019

„Ich muss alles sehen, schmecken, riechen“

INTERVIEW: Die aus Germersheim stammende Schriftstellerin Jeannine Meighörner liest in Rohrbach aus ihrem Erfolgsroman „Starkmut“. Darin rekonstruiert sie das Leben der Anna Hofer, die als Frau des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer ihren eigenen Mann stand und couragiert ihr turbulentes Schicksal meisterte. Meighörner, die als „Mogelösterreicherin“ in Innsbruck lebt, erzählt, warum sie sich so für starke Frauen interessiert.

DR: Frau Meighörner, Sie nennen sich selbst Flusskind, weil Sie am Rhein geboren wurden, am Inn leben und obendrein zum Sternzeichen Wassermann gehören. Ihr Leben scheint auch ganz gut im Fluss.
JM: Im Moment steckt hier alles in Schneebergen fest. Aber keine Sorge, ich lebe ja in der Stadt, da sind die Wege frei und ich komme garantiert zur Lesung nach Rohrbach. Meine Bucherfolge sind auch im Fluss und schaffen gerade den Sprung nach Ungarn, Polen und Tschechien. Für einen Autor ist es schon toll, wenn seine Romane in andere Sprachen übersetzt werden.

Foto: Wolfgang Lackner/Innfoto

DR: Seit 2006 haben Sie fünf große Romane geschrieben, der sechste geht gerade in Druck. Woher nehmen Sie all die Fantasie und Energie?
JM: Ich bin gelernte Journalistin und Historikerin und so lässt sich mein Interesse für Geschichte gut mit dem Spaß am Recherchieren verbinden. Die Gegenwart baut auf der Geschichte auf, so lernt man vieles besser verstehen. Dabei war das Schreiben zuerst eigentlich eine Notlösung, denn als ich mit meiner Familie nach Österreich zog, konnte ich nicht länger als Rundfunkjournalistin arbeiten. Mit hörbarem Migrationshintergrund ließ mich der ORF nicht ans Mikrofon. Da war ich fast bei einer Depression und hab mir überlegt, was ich eigentlich kann: Schreiben! Am besten über starke Frauen, die mich interessieren.

DR: Eine starke Frau ist ja auch die Prota-gonistin ihres ersten Romans: Sophie von La Roche, die als erste finanziell unabhängige Berufsschriftstellerin Deutschlands gilt. Befeuerte die charismatische Dame, die zeitweise in Speyer lebte, vielleicht Ihre Entscheidung für die Schriftstellerei?
JM: Auf jeden Fall! Das war so ein Urerlebnis für mich. Sophie von La Roche hat gegen großen männlichen Widerstand als erste Frau auch ein Magazin herausgegeben, das war quasi die „Emma“ der Goethezeit. Sie war auch die erste Frau, die in Deutschland einen literarischen Salon eröffnete. Dabei war sie charmant, mehrfache Mutter, vielsprachige Gesellschafterin – eine Eisbrecherin ihrer Zeit. Sie ist wirklich mein literarisches Vorbild. Und ich bin auch bei starken Frauen geblieben, ohne Emanzenschriftstellerin zu werden.

DR: Frauen der Geschichte sind Ihre literarische Spezialität – bekannte wie Sissi oder eher unbekannte wie Philippine Welser, die heimliche Braut Ferdinands II. Nach welchen Kriterien wählen sie ihre Heldinnen aus?
JM: Hm, eine gute Frage. Sissi kennt wirklich jeder, aber ich bin eine Spurensucherin und habe an ihr auch Seiten entdeckt, die vorher nicht beschrieben wurden. Philippine Welser hat vor fast 500 Jahren ein Buch über Frauenheilkunde und ein Kochbuch verfasst – dafür stand sie eigentlich mit einem Fuß auf dem Scheiterhaufen. Ich denke, ich suche mir Frauen aus, die irgendwie aus der normalen kirchlich oder gesellschaftlich vorgegebenen Rolle heraustreten, die Brüche in ihrem Leben haben, dem goldenen Käfig entfliehen, auch psychologisch interessant sind, sich von ihrem Herzen leiten lassen.

DR: Wieviel Recherche geht dem Schreiben voraus, wann kommt die Fantasie in Spiel?
JM: Oh, ich recherchiere sehr lange. Für den Roman „Starkmut“, aus dem ich in Rohrbach lese, habe ich zweieinhalb Jahre geforscht. Ich krabble durch alte Archive und fahre an die Originalschauplätze, denn ich bin eine sinnliche Autorin, muss alles sehen, schmecken, riechen. Die Jahreszahlen und der geschichtliche Kontext stimmen, aber ich erlaube mir auch die Fiktion, denn ein Roman ist das Versprechen, dass man die Leser gut unterhält.

DR: In „Starkmut“ geht es um Anna Hofer, die Frau des Tiroler Nationalhelden Andreas Hofer, dessen 200. Todestag 2009 gefeiert wurde. Was hat Sie an seiner Frau interessiert?
JM: Meine Kernfrage war: Was für eine Frau steht hinter einem Helden? Oft sind es doch die Frauen, die den gefeierten Männern mutig zur Seite stehen, ihnen zuarbeiten, die ganze Infrastruktur liefern, wenn sie im Kampffeld, im Pulverdampf stehen. Und Anna Hofer war aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt: Sie hat die Wirtschaft ihres Mannes aufrecht erhalten, ihn dadurch ernährt, die sieben Kinder erzogen, sich sogar mit dem Kaiser angelegt. Aus Liebe ist sie ihrem Mann ins Gefängnis gefolgt und hat nach seinem Tod weitschauend für seinen Nachruhm gesorgt. Trotzdem ist kein Glanz auf sie gefallen. Mein Roman ist in Österreich bis heute das einzige Buch, das sich mit Anna Hofer beschäftigt.

DR: Warum aber haben Sie dieses Buch für Ihre Lesung in Rohrbach ausgewählt? Der Roman ist doch schon zehn Jahre alt, und die Südpfälzer sind vom Mythos Hofer meilenweit entfernt.
JM: Nein, sind sie nicht! Das ist wirklich lustig! Die Rohrbacher haben eine Patenschaft mit dem Tiroler Örtchen Axams und sind dort oft auch zu Brauchtumsveranstaltungen zu Besuch. Deshalb suchten sie über das Internet gezielt einen österreichischen Autor. Und nun haben sie mit mir eine Mogelösterreicherin mit Germersheimer Wurzeln eingefangen! Es ist mir eine große Ehre, dass ich hier lesen darf.

DR: Und ein prima Fügung – so kommen Sie wieder mal in Ihre Heimat zurück.
JM: Meine Mutter lebt in einem Pflegeheim in Westheim, deshalb komme ich sowieso alle vier bis fünf Wochen dorthin. Und ich bin gerne da, denn ich habe ein lustvolles Verhältnis zur Pfalz. Als Kind habe ich einige Jahre bei meinem Großeltern auf der Wollmesheimer Höhe in Landau gelebt. Mein Opa, Eduard Opp, war ein Heimatmaler, der seine Bilder direkt im Freien malte. Oft nahm er mich auf dem Motorrad mit zu den schönsten Landschaftsfleckchen. Und meine Oma war Mundartdichterin und hat mir schon früh die Freude an der Sprache erschlossen.

DR: Bekommen Sie da nicht Lust, auch mal eine Südpfälzerin zu Ihrer Titelheldin zu küren?
JM: Auf jeden Fall! Ehrlich gesagt, bin ich schon auf der Suche nach einer geeigneten Person. Vielleicht Slevogts Frau? Sie war ja eine Gutsherrentochter. Wenn Sie eine andere Idee haben, lassen Sie es mich wissen!

Interview: Brigitte Schmalenberg

Tiroler Tageszeitung – Juni 2017

Sisi in Innsbruck: Die schöne Kaiserin und die Liebe der Tiroler

Innsbruck ist ein Nebenschauplatz der Sisi-Forschung. Trotzdem wurde die Autorin Jeannine Meighörner bei den Recherchen zu ihrem historischen Roman über die Ikone und Kaiserin mehr als fündig. Das erste Mal kam Sisi als elfjähriger Wildfang und Hochzeitsköder in die Stadt.

Alternativtext

Das Foto, das in der Innsbrucker Hofburg zu sehen ist, zeigt Kaiserin Sisi mit Wolfshund Shadow. © Julia Hammerle

„Sisi in Wien, Sisi in Korfu, Sisi in Ischgl, aber Sisi in Innsbruck? Darüber ist kaum etwas bekannt“, sagt Jeannine Meighörner, die sich in ihren historischen Romanen auch mit starken Frauen beschäftigt. So hat auch schon Philippine Welser und ihr Leben auf Schloss Ambras Einzug in ein Buch gefunden. Dieses Mal führten Meighörner die Recherchen in die Innsbrucker Hofburg und mit Sisi zu einer Frau, über die schon alles gesagt wurde. Fast, jedenfalls.

Buchautorin Jeannine Meighörner trägt beim Rundgang ein T-Shirt, das die Ikone zeigt. © Julia Hammerle

Sisis Ehemann, der volksverbundene Kaiser Franz Joseph, weilte 30-mal in Tirol. Sie selbst kam dreimal nach Innsbruck und ein viertes Mal als Tote bei der Überstellung nach Wien. Wie Meighörner feststellt, „sagt das schon einiges über Sisi aus. Ihr wurde ja generell vorgeworfen, dass sie ihren Ehemann nie begleitet hat. Als Kaiserin hätte sie gewisse Repräsentationspflichten wahrnehmen müssen.“

Zum Privatbereich des Sisi-Appartments in der Innsbrucker Hofburg zählen auch ein Schönheitssalon und ein Schlafzimmer, aus dem sie das Ehebett entfernen ließ. Wichtig war ihr ein eigenes Schreibzimmer, heute ein Zeichen ihrer Emanzipation. © Julia Hammerle

1848 ist für Österreich ein spannendes Jahr. Im Revolutionssommer, wo sich Franz Joseph auf die Thronübernahme vorbereitet, reist die elfjährige Sisi aus Bayern, „die reitet und auf Bäume klettert“, mit ihrer Mutter Ludovika und ihrer älteren Schwester Helene nach Innsbruck. „Sie kommen als Hochzeitsköder“, stellt die Historikerin salopp fest. Sisi und Franz Joseph sehen sich nur kurz.

Doch im Hintergrund spinnen Franz Josephs Mutter Sophie und deren Schwester Ludovika die Fäden. Zuerst schwärmt Franz Karl, der Bruder des künftigen Kaisers, für den Wildfang. Meighörner: „Jedenfalls muss sich die Mutter rasch um eine höfische Erziehung kümmern. Sisi spricht auch nicht Französisch, sondern Englisch, das sie ein Leben lang mit ihren Schwestern sprechen wird. Hier zeigt sich übrigens eine Sisi, die mir gefällt. Sie hat einen schrägen Humor und reißt gerne Witze auf Englisch.“

Viele Jahre später, 1870, steht wieder ein Besuch von Sisi in Innsbruck an. Sie ist seit 16 Jahren Kaiserin, Mutter von vier Kindern und hat vor, mit der nagelneuen Brenner-Bahn nach Meran zu reisen. „Sisi gilt damals als die schönste Frau der Welt“, beschreibt Meighörner die Stilikone mit komplizierter Frisur, die trainierte Reiterin und Hundeliebhaberin, die sogar aus Innsbruck einen Hund mitnehmen wird. „Die Innsbrucker flippen aus, die Tiroler sind tagelang auf den Beinen“, erzählt Meighörner von unzähligen Berichten, die der Bote von Tirol und Vorarlberg druckt. Ein Glückstreffer für die Autorin ist Alois Oberrauch, der im Roman eine tragende Rolle erhält. Der einstige nach Innsbruck verbannte Revolutionär ist im Verschönerungsverein tätig und „verwandelt die Stadt in einen Festsaal“. Doch die Kaiserin brüskiert die Tiroler.

Jeannine Meighörners historischer Roman „Das fliehende Herz“ ist im Innsbrucker Haymonverlag erschienen. Das am Cover abgebildete Gemälde stammt von Franz Xaver Winterhalter und hing im Privatkabinett von Kaiser Franz Joseph. © Julia Hammerle

Sie ignoriert Programm wie Bergfeuer und zieht sich mit ihren Kindern zurück. 1871, ermahnt von den Wienern, macht sie in Innsbruck wieder eine Visite. Sisi inszeniert sich als „Alpenkaiserin“. Sie geht zu Fuß nach Hötting in die Bildungsanstalt für arme Mädchen. Beim Empfang am Abend macht sie aber wieder alle Erwartungen zunichte. Sie erscheint im schulterfreien weißen Ballkleid mit zu Boden reichendem Haar. Eine Sensation im konservativen Innsbruck.

1898, nach Sisis Ermordung in Genf, spielt sich eine letzte Tragikomödie in Innsbruck ab. Die Tiroler halten den Leichenzug einfach an und bezeugen mit Blumen, Musik und Gedichten, die sie Sisi nie vortragen durften, doch noch ihre Verehrung. Über diese freiheitssuchende, fortschrittliche Frau, die rauchte und Diät hielt, die sich als Marke erschuf, doch ihre Aufgaben als Kaiserin und Mutter vernachlässigte und sich nicht für Frauenrechte einsetzte, gibt es immer etwas zu erzählen. Vor allem mit der Freiheit einer Romanautorin.

(Julia Hammerle)

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20er. Die Tiroler Straßenzeitung – April 2017

Ein Faible für starke Frauen

Für Generationen wird Kaiserin Elisabeth von der süßen Romy Schneider verkörpert. Nur: So lieb war „Sisi“ keineswegs, wie Jeannine Meighörner in ihrem jüngsten Roman feststellt. Und das penibel recherchiert. Kein Wunder, war Meighörner früher doch Hörfunkjournalistin.

Vor zehn Jahren kam die gebürtige Deutsche Jeannine Meighörner nach Tirol, weil ihr Mann Wolfgang den Posten des Direktors der Landesmuseen angenommen hat. Wie sie rasch feststellte, war es aber schwierig, auf dem kleinen heimischen Markt Fuß zu fassen. Und weil sie bereits eine Biographie über Sophie von La Roche, Deutschlands erste Bestsellerautorin, verfasst hatte, klopfte sie wieder in die Tasten: „Ich hätte gerne weiter als Journalistin gearbeitet. Aber das Schreiben ließ sich gut mit der Familie verbinden.“ Angetan haben es ihr starke Frauen. Und was lag näher, als sich nach der Übersiedlung gleich mit der bekanntesten Unbekannten zu beschäftigen: Anna Hofer, der Frau des Tiroler Freiheitshelden: „Ich wollte die Frau hinter dem übermächtigen Hofer zeigen. Und die hatte es nicht leicht mit ihm.“ Danach folgten Bücher über das Leben der Philippine Welser und das Unglück von Longarone in Oberitalien. Als Form wählte Meighörner aber nicht mehr die Biographie, sondern den Roman: „ich will Emotionen schildern. Beim Sachbuch dominierten die Facts, das war mir zu wenig.“

Auch ihr jüngstes Buch, „Das fliehende Herz – Sisis Schicksalstage in Tirol“, ist ein Roman. Wenngleich, wie alle Bücher Meighörners, akribisch recherchiert. Sie sei dem Stoff zuerst sehr skeptisch gegenübergestanden, erzählt sie: „Ich habe gedacht, da gibt es nichts mehr zu erzählen.“ Doch dann fand sie heraus, dass über die insgesamt vier Aufenthalte der Kaiserin in Tirol eigentlich heute kaum etwas bekannt ist, obwohl damals die Zeitung intensiv berichtete. Aus dem Stoff spann sie einen Roman, dessen verbindende Figuren einerseits natürlich Sisi, anderseits aber der Student und spätere Advokat Aloys Oberrauch sind. Er fungiert als der Erzähler.

Ihren ersten Aufenthalt hatte Sisi als elfjähriges Mädchen im Revolutionsjahr 1848 in Innsbruck. Zwei weitere Aufenthalte folgten 1870 und 1871. Dabei enttäuschte Sisi, inzwischen vom Volk vergötterte Kaiserin, die Innsbrucker schwer. Bergfeuer, Darbietungen, Huldigungen, Konzerte interessierten sie nicht. Bei ihren zwei Aufenthalten verbrachte sie gerade einmal drei Nächte in den heute berühmten „Sisi Apartments“ in der Hofburg. Dennoch hielten ihr die Tiroler die Treue. Und so erzwangen sie nach ihrer Ermordung im September in Genf 1898 einen Stopp des Zuges, der die Tote nach Wien brachte.

Jeannine Meighörner hat ein gespanntes Verhältnis zu ihrer Heldin: „Sie fasziniert mich einerseits. Aber was mich als Mutter bestürzt, ist, wie autistisch sie gegenüber ihren Kindern und der Familie war“.

(Uwe Schwinghammer)

Die Rheinpfalz – 14. April 2016

Preis für Germersheimer Autorin

Jeaninne Meighörner wird heute mit dem renommierten Wiener Werkstattpreis ausgezeichnet.

Die 1963 in Germersheim als Jeannine Zeising geborene Autorin Jeannine Meighörner wird mit dem renommierten Wiener Werkstattpreis 2015 in der Kategorie Publikumspreis ausgezeichnet. Der Preis wird heute in Wien im Amerlinghaus verliehen.

Jeannine Meighörner lebt in Innsbruck. (Foto: Privat)

Speranza“, der jüngste Roman der Autorin, spielt partiell in Germersheim. Sie las aus ihrem Buch im Herbst 2014 in ihrer Heimatstadt. In „Speranza“ erzählt Meighörner ein aufrüttelndes Gastarbeiterschicksal.

Sie schildert das Leben und Überleben der Eismacherfamilie Riccardo und Clara Fontanella, die bis in die 1980er-Jahre eine Eisdiele in der Marktstraße in Germersheim betrieben. Sie waren Überlebende der Staudammkatastrophe von Longarone, die im Oktober 1963 fast 2000 Menschen tötete und das Städtchen völlig vernichtete.

Am Rhein baut sich das frisch verheiratete Paar, es verlor bei dem Unglück 63 Angehörige, eine neue Existenz auf. Ihre Eisdiele wird eine „Oase des Glücks“. Doch keiner der Germersheimer weiß etwas von ihrem traumatischen Schicksal. Die Fontanellas verbergen es hinter italienischem Charme: Heißt „Speranza“ doch Hoffnung. Jeannine Meighörner lebt seit 2007 als Autorin in Innsbruck. Die promovierte Medienwissenschaftlerin unterrichtet auch im Hochschulbereich und hat bisher vier Romane veröffentlicht. Ihre Eltern leben noch in Germersheim und sie besucht die Stadt und ihren geliebten Rhein, „dem der Inn nicht das Wasser reichen kann“ – so Meighörner, regelmäßig.

(rhp)

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Salzburger Nachrichten – 1. Juni 2013

Zwerg und Wolkenbraut

Sie war die Mätresse und heimliche Frau von Ferdinand II., dem Erzherzog von Tirol. Eine starke Frau, die abgeschirmt auf Schloss Ambras lebte, den einfachen Leuten Heil und Genesung brachte und vom Adel gehasst wurde. Die bewegende Geschichte der Philippine Welser, erzählt vom Hofzwerg Thomele.

Helga Reichart

Mit „Starkmut“ setzte sie Anna Hofer, der Frau des Andreas Hofer, ein Denkmal. Nun ging die Historikerin Jeannine Meinghörner daran, einer weiteren außergewöhnlichen Frau der österreichischen Geschichte ein Buch zu widmen. Sie holt Philippine Welser, die „schöne Welserin“ aus dem wolkenverhangenen Hochschloss Ambras bei Innsbruck und beleuchtet sie aus dem kuriosen Blickwinkel des Hofzwerges Thomele. Nämlich von unten nach oben, bis in die Nasenlöcher (die schönsten, die er je gesehen habe, sagt der).

Was daraus wurde, ist eine fulminante Tragikomödie und ein spannender Schelmenroman zugleich, rotzfrech, knallbunt, ideenprall. Meighörners „Wolkenbraut“ hat Substanz. Vor dem Hintergrund der Historie des 16. Jahrhunderts wird die Geschichte in einfach-lockerer Diktion serviert, nicht nur authentisch aufgeladen, auch gespickt mit kuriosen Fiktionen.

Wir treffen die Innsbrucker Autorin an einem ruhigen Plätzchen mit Blick auf des Ambraser Schloss.

SN: Philippine Welser ist sagenumwoben. Was hat Sie dazu bewogen, diese ungewöhnliche Frau, die heimlich mit Ferdinand II. verheiratet war, aus dem Halbdunkel der Tiroler Geschichte zu befreien?
JM: Weil die Welserin noch fast 450 Jahre nach ihrem Tod fasziniert. Und weil es für mich viele Möglichkeiten der Recherche wie zeitaktuelle Lektüre, Besuch von Originalschauplätzen, Gespräche, Einblicke in Handelshäuser(n) gab, wollte ich unbedingt wissen, wo sich Dichtung und Wahrheit berühren.

SN: Wie ließen sich Wesen und Lebenslauf der „heimlichen Mutter Tirols“, wie sie genannt wurde, heute schildern?
JM: Philippine war vieles, sie machte es mir nicht leicht. Und gerade das spricht für ihre zeitlose Qualität. Sie war das Abbild der hochgewachsenen Blondine (obwohl Hofzwerg Thomele stänkert, dass damals alle Weiber blond gewesen seien und die Haarbleicher lebten wie die Könige). Ja, sie war eine seraphische Schönheit, die es gewagt hatte, sich ihrer Liebe hinzugeben und 1557 heimlich den lendenfrohen Ferdinand II., damals Vizekönig von Böhmen, heiratete. Obwohl für Ferdinand eine ganze Liga von Schlaf- und Amüsierweiber bereitstand! Aus Liebe die Standesgrenzen zu sprengen, war für die Frauen dieser Zeit ein brisantes Unterfangen. Der erzürnte Vater, Kaiser Ferdinand I., ließ das junge Ehepaar Stillschweigeabkommen unterschreiben, sodass die nicht standesgemäße Heirat lange Jahre eines der bestgehüteten Geheimnisse des Abendlandes blieb. Eine Wolkenbraut war Philippine. Würde Sie bald verwehen? Aber die Welserin war nicht nur schön, sondern auch klug, durch ihre Abstammung aus einer „Pfeffersack-Dynastie“ kaufmännisch versiert und überaus heilkundig. Sie war revolutionär genug, auch einfache Menschen mit ihren selbst gemischten Kräuterarzeneien zu behandeln. Sofort wurde sie in Tirol als Hexe, Kurtisane und Hure verunglimpft. Eine wie sie könne nicht ehrbar sein, hieß es.

SN: In der Dunkelheit  war Philippine in Ambras angekommen und dennoch gesehen worden. Thomele, das „Lieblingsspielzeug“ Ferdinands, dürfte sie zuerst erspäht und ihre „schönen Nasenlöcher“ entdeckt haben, aus deren Form er als professioneller „Nasenlochphilosoph“ den Charakter eines Mensch ablesen konnte. Da wusste Thomele noch nicht, wer die geheimnisvolle Fremde wirklich war. Später sollten sie gute Freunde werden. Sie haben die Lebensgeschichte Philippines mit dem Zwerg verknüpft. Er wird in ihrem Roman sogar zum recht freimütigen Erzähler. Wie kamen Sie darauf?
JM: Ich halte wenig von aktionalem Erzählen, da dadurch kaum Nähe zu den handelnden Figuren entsteht. Und Thomele ist ein Glücksfall in jeder Hinsicht. Er war wohl der kleinste Mensch seiner Epoche, ungefähr 62 Zentimeter groß, nicht verkrüppelt, sondern anmutig gewachsen. Das ist auf einem Gemälde in Ambras belegt. Zu einer Zeit, in der Zwerge an Adelshöfen gesammelt wurden und Zwergagenten diese Geschöpfe kauften und teuer verkauften, war Thomele eine ungeheure Kostbarkeit. Er war der unersetzbare Winzling in Ferdinands Kabinett der Absonderlichkeiten. Selbst Suleimann der Prächtige soll in seinem Riesenreich keinen wie Thomele besessen haben! Der Amüsierzwerg war ständig in Ferdinands Nähe, schlief in einer Wiege neben seinem Bett, hatte Augen und Ohren überall, huschte unter die Röcke der Damen, verfügte über gesunden bürgerlichen Hausverstand und kannte die Welt des Adels mit ihren Intrigen bis ins Letzte. Er zog mit Erzherzog Ferdinand II., der vom Vater als Herrscher über Tirol und die Vorlande eingesetzt wurden war, in die Innsbrucker Hofburg ein und hatte in der Hofgasse sogar ein eigenes Haus, das noch heute steht. Philippine war in der Hauptstadt nicht geduldet und lebte mit Ihren zwei Söhnen, den sogenannten Burgknaben, versteckt im goldenen Käfig. Der lag in einem prächtigen Park, in dem Rotwild äste, ein Wasserfall rauschte, üppige Pflanzen gediehen, ein Bären-Zwinger beißenden Geruch verströmte und ein erlesener Kräutergarten der liebste Ort der staatsgeheimen Herrin mit den schönen Nasenlöchern war. Die Räumlichkeiten im Inneren des Ambraser Schlosses waren reich ausgestattet, gekrönt vom berühmten Bad der Philippine Welser, einer Beischläferin, die in vielerlei Hinsicht zu verwöhnen wusste.

SN: War die Liebe zwischen Philippine und Ferdinand etwas Besonderes?
JM: Auf jeden Fall. Und sie hielt allen Widrigkeiten stand, obwohl beide im Wesen recht unterschiedlich waren. Ferdinand liebte das Leben und die Frauen, er feierte Feste, schätzte Turniere und allerlei Mummenschanz. Er war aufbrausend, aber äußerst großzügig und überschüttete Philippine geradezu mit Präsenten. Als Landesfürst schenkte er ihr nicht nur Schloss Ambras, sondern auch weitere wertvolle Liegenschaften und ließ ganze Handelszüge mit Waren für sie aus dem Ausland über den Brenner treiben. Er gab Unsummen für den Haushalt im Schloss und seine Hofhaltung in Innsbruck aus.  Philippine hingegen war eine selbstständige, tapfere Frau, eine Heilerin mit einer schönen Seele. Mutig und duldsam zugleich, wusste sie ihren Mann liebevoll zu zügeln. Obwohl sie am Los der vermeintlichen Mätresse schwer trug, war ihr Leben ein Faden, fest eingewirkt in Ferdinands Gewebe. Nicht der glänzende Goldfaden vielleicht, aber die gute Wolle, die alles wärmt und zusammenhält. Es war die Tragik ihres Daseins, dass sie vermutlich gerade an jener Krankheit verstarb, von der sie ihren Ferdinand heilen konnte.

SN: Und was geschah mit Thomele?
JM: Nichts weiter. Er wurde alt und daher für seinen Fürsten unnütz. Man sagt, er sei auf dem Rückweg in seine Heimat Böhmen in einem Gestrüpp verschwunden und nie wieder aufgetaucht.

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Tiroler Tageszeitung – 3. März 2013

Der Trick mit den Nasenlöchern

Philippine Welser war nicht nur eine Bürgerliche, die Ferdinand II. von Tirol heiratete. Aus heutiger Sicht war sie eine stolze Revolutionärin und eine mitfühlende Heilkundige, erzählt Autorin Jeannine Meighörner. Nach über 70 Jahren ist Philippine Welser als Romanfigur wieder gefragt.

Historikerin Jeannine Meighörner mit Zwerg Thomele auf Schloss Ambras

TT: Sie lassen den Zwerg Thomele das Leben der schönen wie gebildeten Patrizierin erzählen. Wie sind Sie auf den Hofzwerg gekommen?
JM: Erzherzog Ferdinand II. hat Thomele von Prag nach Tirol mitgebracht. Hofzwerge waren im 16. Jahrhundert die Ferraris und Glücksbringer der Oberschicht. Thomele war damals wahrscheinlich kleinster Zwerg der Welt, eine Kostbarkeit. Vermutlich litt er am Seckelsyndrom. Diese Menschen sind meist sehr schön. Ich wollte einen Erzähler, der mehr weiß als Philippine, die in Ambras im goldenen Käfig saß. Für mich ist Thomele, der seine Augen überall hatte, ein Vermittler zwischen dem dekadenten Adel und dem Bürgertum, das Hausverstand zeigte!

TT: Wie sind Sie darauf gekommen, dass Philippine Welser schöne Nasenlöcher hatte?
JM: Die Nasenlöcher habe ich mir ausgedacht. Aber sie war eine große schlanke Frau. Der Zwerg konnte wohl von seinem Blickwinkel aus in ihre Nasenlöcher sehen. Übrigens hat mir ein Halsnasenohren-Arzt einmal erzählt, dass man Menschen an ihren Nasenlöchern identifizieren könne, so charakteristisch seien sie.

Philippine Welser kam von der großen Stadt Augsburg in das erdige und in Sagen eingebettete Tirol.
Jeannine Meighörner

TT: Wie sehen Sie Philippine Welser, unter der Schloss Ambras eine blühende Zeit erfuhr?
JM: Sie ist eine widersprüchliche und eine interessante Frauenfigur des 16. Jahrhunderts. Wie Thomele sehe ich sie als Mittlerin der Welten. Sie stammt aus einer Augsburger Handelsdynastie mit Weltwissen. Sie hat eine nicht standesgemäße Heirat mit Ferdinand II. durchgesetzt. Vermutlich widersetzte sie sich auch Ferdinand, als sie Ihre Heilkunst einfachen Menschen anbot.